Wie ihr Bienen schützen könnt

Lesedauer: 4 min 

Wusstet ihr, dass Bienen eine essenzielle Bedeutung für uns und unsere Umwelt haben? Sie sind verantwortlich für eine ökologisch ausgewogene Artenvielfalt und tragen mit ihrer Bestäubungsleistung zur nachhaltigen Landwirtschaft bei. Ob Obst, Gemüse, Nüsse oder Kräuter – viele dieser Lebensmittel sind auf Bestäubung angewiesen. 

In diesem Beitrag erfahrt ihr von Biologin Doris Lerch, welche Gründe und Auswirkungen der Rückgang der Bienenpopulationen für unsere Umwelt hat und was ihr selbst tun könnt, um Bienen zu helfen.

Wieso wir Bienen brauchen

Bienen spielen in unserem Ökosystem eine wichtige Rolle. Als Bestäuber sind sie für die Fortpflanzung bzw. für den Erhalt unserer Pflanzenwelt verantwortlich. Ohne diese Bestäuberleistung würden wir 35 % unserer weltweiten Nahrungsmittelproduktion verlieren, darunter praktisch alle Obst- und Gemüsesorten. Einige von euch werden dabei vor allem an die Honigbiene denken, aber sie allein kann diese wichtige Aufgabe nicht leisten. Ebenso wichtig sind die über 590 Wildbienenarten und andere Insekten wie Käfer, Fliegen, Wespen und Schmetterlinge, die 25-50 % der Blütenbesuche ausmachen. 

Honigbienen vs. Wildbienen 

Biene ist nicht gleich Biene: Honigbienen leben in großen, wohlorganisierten Bienenvölkern, in denen Arbeitsteilung herrscht. Jede einzelne Biene hat eine ihrem Alter entsprechende Aufgabe. Für den Fortbestand des Volkes sorgt die Bienenkönigin. Der Lebensraum von Wildbienen ist je nach Art unterschiedlich. Sie bauen ihre Nester unter der Erde, in morschem Holz oder in Pflanzenstängeln und leben dabei meist alleine. Während Honigbienen als Generalisten den Pollen und Nektar verschiedener Pflanzen sammeln können, haben viele Wildbienen speziellere Bedürfnisse. Sie sammeln oftmals ausschließlich oder stark bevorzugt die Pollen einer ganz bestimmten Pflanzenart oder Pflanzenfamilie. 

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Wieso Bienen bedroht sind 

Für den Rückgang der Bienenpopulationen sind verschiedene Faktoren verantwortlich. Eine der Hauptursachen ist der Verlust ihrer Lebensräume. Seit 1950 sind die nährstoffarmen, blütenreichen Heuwiesen um 98 % zurückgegangen. Täglich werden ca. 50 Hektar durch Straßen, Häuser und andere Bauten versiegelt. Den größten Anteil am Insektenrückgang hat die Intensivlandwirtschaft. Die zunehmenden Monokulturen und überdüngten Hochleitungswiesen und Felder sorgen dafür, dass Bienen keinen Lebensraum und kein ausreichendes und abwechslungsreiches Nahrungsangebot vorfinden. Monokulturen sind landwirtschaftliche Flächen, auf denen jahrelang nur eine Nutzpflanze wie beispielsweise Mais angebaut wird. Zudem gefährdet der Einsatz von Pestiziden das Überleben von Bienen und anderen Insekten. Diese Giftstoffe beeinflussen das Nervensystem der Bienen sowie ihre natürliche Orientierungsfähigkeit. 

Wildbienen sind besonders betroffen 

Mehr als die Hälfte der in Deutschland lebenden Wildbienen sind in ihrem Bestand besonders gefährdet, weil spezielle Nahrungsquellen und Nistmöglichkeiten fehlen. Durch ihre Spezialisierung auf bestimmte Pflanzenarten und Pflanzenfamilien entsteht eine enorme Abhängigkeit. Die Wildbienenarten können nicht auf andere Pollenquellen ausweichen. Zusätzlich zu dem kaum noch vorhandenen Nahrungsangebot kommt die immer stärker werdende Konkurrenz durch die Honigbiene hinzu. Sie hat nachweislich einen negativen Einfluss auf unsere heimischen Blütenbesucher und zwar in einem Umkreis von 1,5 km um jeden Bienenstock. Das ist eine Fläche von 700 Hektar oder anders ausgedrückt von 980 Fußballfeldern. In Hessen gibt es mittlerweile 65.700 Honigbienenvölker. So muss eine Wildbiene in ihrer kurzen Lebenszeit von vier bis sechs Wochen, in denen sie allein ihre Nachkommen versorgt, in Hessen mit 20 Bienenvölkern um die wenigen Nahrungspflanzen konkurrieren. 

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So könnt ihr Bienen helfen

Die gute Nachricht: Jede:r von uns kann etwas tun, um den Bienen zu helfen. Die Lösung sind heimische Wildpflanzen, denn sie sind die Lebensgrundlage unserer Insekten. Jede:r, der einen Garten, einen Balkon oder ein Firmengelände hat, kann mit Hilfe heimischer Wildpflanzen diese Flächen in Insektenschutzinseln verwandeln. Hierbei solltet ihr heimische Wildpflanzen aus Bioland Gärtnereien und Blühmischungen aus 100 % heimischen Regio-Saatgut verwenden. Gut geeignet sind z.B. Steppen-Salbei und Moschus-alve. Für alle Nicht-Bienen könnt ihr auf Wilde-Möhre und Steppen-Wolfsmilch zurückgreifen. Neben der Bereitstellung von Wildpflanzen könnt ihr darauf achten, vielfältige Kleinstrukturen wie z.B. offene Bodenflächen, kleine Gewässer, Steinhaufen oder Totholz zu schaffen. Wildbienen nutzen bereits vorhandene Hohlräume gerne als Nistmöglichkeit. Wichtig ist auch, dass ihr die Blütenstände über den Winter stehen lasst.

Wilde Topf-Pflanzen 

Jeder m² zählt: Auch Blumentöpfe könnt ihr super nutzen, um euren Balkon oder eure Terrasse bienen- und insektenfreundlich zu gestalten. Hier ein paar Tipps zur Pflege und Pflanzenvorschläge für Wilde Topf-Pflanzen:

  • Pflanzenvorschläge: Hier findet ihr geeignete Stauden für sonnige- und halbschattige Standorte. 

  • Düngung: Ihr solltet darauf achten, die Pflanzen einmal am Anfang der Saison und einmal nach dem Rückschnitt mit etwas Hornmehl oder Schafswolle (biologisch und regional) zu düngen. 

  • Gießen: Nutzt die Fingerprobe, um zu bestimmen, ob ihr die Pflanzen gießen müsst. Steckt dafür einen Finger ein paar Zentimeter in den Topf. Ist die Erde auch hier trocken, könnt ihr eure Wildpflanzen gießen. 

  • Überwintern: Die Stauden sind mehrjährig und können daher in ihren Töpfen an einem geschützten Ort an der Hauswand über den Winter gebracht werden. Steckt die Töpfe in einen alten Kartoffelsack und polstert ihn mit Schafswolle aus. An frostfreien Tagen ab und an etwas gießen. 

Wie ihr seht, können schon kleine Maßnahmen unseren Bienen helfen. Seid ihr dabei? Wir wünschen euch viel Spaß beim Pflanzen und Erkunden eurer Insektenschutzinseln. 

Über Doris Lerch 

Die Biologin (MSc. TU Darmstadt) beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, welche Pflanzenarten und Pflegemaßnamen auf urbaner Grünflächen unseren bedrohten Insekten als Nahrungsressource und Lebensraum dienen. Des Weiteren engagiert sich Frau Lerch seit Jahren im NABU Rödermark für die Etablierung nährstoffarmer Heuwiesen und naturnaher Bepflanzungen im urbanen Raum. Weitere Infos findet ihr hier: www.insektenschutzinsel.de/

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