"Ein Bewusstsein für Langeweile entwickeln..."

Interview mit Sozialpädagogin Sabrina Göttel* zum Thema Freizeitgestaltung für Kinder. Ab wann wird aus Förderung Überforderung und aus angeleiteter Motivation Stress?

Wie viel Zeit brauchen Kinder für Anregung und neue Lernerfahrungen und wie viel Zeit zum Spielen? Gibt es da eine Faustregel?

Sabrina Göttel: Dem Spiel kommt in der Entwicklung von Kindern eine große Rolle zu. Kinder nutzen das Spiel um Lernerfahrungen zu machen und ihren Alltag zu bewältigen. In der Interaktion mit anderen Kindern lernen sie Toleranz, Selbstvertrauen, Konfliktfähigkeit und Eigenverantwortung. Spielen fördert die Kreativität und schafft emotionale Stärke. Eltern kennen ihr Kind am besten und haben die Möglichkeit, ihr Kind im Spiel zu beobachten. Sie können erkennen, was es bewegt und bemerken, wo das Kind Förderung braucht und was es überfordert.

Braucht ein Kind ein gewisses Maß an Langeweile, um sich zu entfalten?

Sabrina Göttel: Menschen müssen erst einmal feststellen, welche Dinge bzw. Beschäftigungen sie tatsächlich fesseln. Linda Caldwell von der PennState University hat das Freizeitverhalten von Kindern erforscht: „Kinder müssen einige wichtige Entwicklungsschritte vollziehen, um die Langeweile zu überwinden.“ Laut Caldwell ist einer der Gründe, warum viele Kinder und Jugendliche nichts mit sich anzufangen wissen, dass sie sich noch nicht genug gelangweilt haben. Erst wenn sie ein Bewusstsein für Langeweile entwickelt haben, entdecken sie eigene Interessen und lernen diese aktiv zu verfolgen.

An welchen Signalen können Eltern erkennen, dass ihr Kind Freizeitstress hat?

Sabrina Göttel: Zu den Symptomen von Stress gehören Schlaflosigkeit und Gereiztheit. Aber auch Appetitlosigkeit und eine verringerte Fähigkeit, mit Niederlagen umzugehen. Stress-Symptome bei jüngeren Kindern zeigen sich eher im körperlichen Bereich, wie Bauch- und Kopfschmerzen. Bei Jugendlichen kommen ein erhöhter Angstpegel und Angespanntheit bis hin zur Depression vor. Hier stellt es sich meist so dar, dass Mädchen sich eher verschließen und Jungen zu Aggressionen neigen. Die Symptome gestalten sich also ähnlich wie bei Erwachsenen. Um Stress vorzubeugen, sollten Kinder früh zu Bett gehen, um am Morgen ausgeruht zu sein. Da sich Stress von Eltern auf das Kind übertragen kann, sollten sich auch die Eltern genügend Auszeiten verschaffen. Ein Zu-Bett-Geh-Ritual vermittelt den Kindern Ruhe und Sicherheit. Loben sie ihr Kind, um sein Selbstvertrauen zu stärken und erwarten sie nicht zu früh zu viel Reife von ihrem Kind.

Lest hier wie ihr gemeinsam mit eurem Kind durch Yoga Stress abbauen könnt.

LAESSIG-Expertentipp-Bewusstsein-fuer-lange-Weile 


* Autorin von E-Book: Ziel- und bedarfsorientierte Angebotsoptimierung in der offenen Kinder- und Jungendarbeit

Share us
Dein Name
Deine E-Mail-Adresse
Zusammenfassung
Deine Meinung:

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Zurück zur Übersicht